RatgeberMedizinisch gepruft Apr 2026

Altersfleck oder Melanom? So erkennen Sie den Unterschied

Altersflecken — auch Leberflecken, Sonnenflecken oder solare Lentigines genannt — sind nach 40 sehr häufig. Die meisten Menschen entwickeln mehrere. Die überwiegende Mehrheit sind völlig harmlose Marker kumulativer Sonnenexposition. Eine kleine, aber wichtige Minderheit dunkler Flecken auf alternder Haut sind keine Altersflecken, sondern Lentigo maligna, Melanom oder pigmentiertes BCC. Die Unterscheidung dauert wenige Minuten und einige spezifische Prüfungen.

Was ein echter Altersfleck ist

Eine solare Lentigo (medizinischer Begriff für Altersfleck) ist ein flacher Fleck mit erhöhter Pigmentierung durch akkumulierten UV-Schaden. UV-Licht regt Melanozyten zu mehr Melaninproduktion in lokalisierten Bereichen an, wodurch diskrete braune Flecken entstehen. Einmal gebildet, sind Altersflecken meist stabil.

Typische Merkmale: flach (nicht erhaben); 3-15mm; einheitlich hell- bis mittelbraun; glatte, klar definierte ovale oder runde Begrenzung; auf sonnenexponierter Haut (Gesicht, Handrücken, Schultern, Brust, oberer Rücken); ab 40; oft in ähnlichen Gruppen.

Altersflecken sind keine „Leberflecken“ im Sinne von Leberproblemen — das ist ein altes Missverständnis. Sie sind ausschließlich UV-bedingt.

Krebsarten, die Altersflecken imitieren können

Lentigo maligna. Frühes In-situ-Melanom auf chronisch sonnengeschädigter Haut. Sieht aus wie ein großer, langsam wachsender, unregelmäßig geformter Altersfleck, besonders im Gesicht. Mittleres Diagnosealter 65-70. Oft jahrelang vorhanden, bevor bemerkt.

Lentigo-maligna-Melanom. Die invasive Form. Kann eine erhabene Stelle, einen Knoten oder Farbänderung in einem bestehenden „Altersfleck“ entwickeln.

Superfiziell spreitendes Melanom. Häufigster Subtyp insgesamt, kann auf jeder sonnenexponierten Haut auftreten. Meist mit dramatischerer Farbvariation.

Pigmentiertes BCC. Ein BCC mit Melanin, erscheint als braune oder schwarze Papel oder Plaque. Kann den typischen perlmuttartigen Rand mit Teleangiektasien zeigen.

Pigmentierte seborrhoische Keratose. Gutartige Wucherung, die sehr dunkel und unregelmäßig aussehen kann. Unterscheidet sich durch „aufgeklebtes“ Aussehen und raue, wachsartige Oberfläche.

Unterschied 1: Flach vs erhaben

Altersfleck: flach, glatt, auf Höhe der umliegenden Haut. Sie spüren keinen Unterschied beim Darüberstreichen.

Verdächtige Läsion: Jede erhabene Stelle, Papel oder Knoten, die sich in oder neben einem zuvor flachen Altersfleck entwickelt, ist ein großes Warnzeichen. Der Übergang von flach zu erhaben ist das typische Muster der Lentigo maligna, die zum invasiven Lentigo-maligna-Melanom fortschreitet.

Wenn ein Altersfleck in den letzten 6-12 Monaten eine Beule entwickelt hat, Termin in 4 Wochen.

Unterschied 2: Randregelmäßigkeit

Altersfleck: klar definiert, glatt, oval oder rund. Pigment endet scharf am Rand.

Verdächtige Läsion: unregelmäßige, gezackte, bogige oder verblassende Ränder. Pigment läuft asymmetrisch in umliegende Haut aus.

Unterschied 3: Farbgleichmäßigkeit

Altersfleck: einheitlich hell- bis mittelbraun. Subtile Schattierung, aber keine dramatische Farbvariation.

Verdächtige Läsion: mehrere Schattierungen — hellbraun, dunkelbraun, schwarz, grau oder sogar rosa, rote oder blaue Bereiche. Ein „Leberfleck“ mit drei oder mehr klar verschiedenen Farben ist ein Warnzeichen.

Graue oder schwarze Bereiche in einem Altersfleck sind besonders besorgniserregend, ebenso jede rosa oder rote Verfärbung in einer zuvor braunen Läsion.

Unterschied 4: Stabilität über Jahre

Altersfleck: stabil. Kann mit weiterer Sonnenexposition leicht dunkler werden, aber vergrößert sich nicht. Derselbe Altersfleck mit 50 sollte mit 60 im Wesentlichen gleich aussehen.

Verdächtige Läsion: wachsend — manchmal sehr langsam. Vergleichen Sie aktuelle Flecken mit alten Fotos (Urlaub, Hochzeiten). Wenn ein „Leberfleck“ im Gesicht über 5-10 Jahre sichtbar gewachsen ist, gehört er zur Beurteilung.

Das langsame Wachstumsmuster ist der Grund, warum Lentigo maligna so oft übersehen wird. Fotos sind hier das nützlichste Werkzeug.

Unterschied 5: Symptome

Altersfleck: keine Symptome. Schmerzlos, nicht juckend, blutet nicht.

Verdächtige Läsion: Juckreiz, Kribbeln, Blutung, Verkrustung oder neue Empfindung in einem zuvor symptomlosen Fleck ist ein Warnzeichen. Spontane Blutung aus einer pigmentierten Läsion ist ein großes Warnsignal.

Unterschied 6: Neu vs lange bekannt

Altersfleck: meist seit Jahren bekannt. „Den habe ich seit meinen 40ern.“

Verdächtige Läsion: in den letzten 1-3 Jahren neu, besonders bei jemandem über 60. Neue pigmentierte Läsionen bei Älteren sind seltener und haben höhere Vortest-Wahrscheinlichkeit für In-situ-Melanom.

Faustregel: Ein neuer pigmentierter Fleck bei jemandem über 60 ist verdächtig bis zum Beweis des Gegenteils.

Wann zum Dermatologen

Termin in 2-4 Wochen bei Altersfleck, der: eine erhabene Stelle innerhalb eines zuvor flachen Flecks entwickelt; bei jemandem über 60 neu ist; über Jahre sichtbar wächst; mehrfarbig ist; blutet oder juckt.

Dringend (1-2 Wochen) bei: schneller Größen- oder Farbänderung; persistenter Blutung; Ulzeration; Knoten in einem Altersfleck.

Lentigo maligna und Lentigo-maligna-Melanom werden per Stanzbiopsie oder Exzisionsbiopsie diagnostiziert. Behandlung der In-situ-Erkrankung ist die breite lokale Exzision mit hervorragenden Heilungsraten und moderater Narbenbildung. Frühe Erkennung ist enorm vorteilhaft.

Nutzen Sie unseren kostenlosen ABCDE-Checker. Wichtigste Regel für ältere Erwachsene: Ein neuer pigmentierter Fleck, ein flacher Fleck mit neu entwickelter Beule oder ein mehrfarbiger „Leberfleck“ ist ein Dermatologen-Termin, kein Abwarten.

Kostenloser ABCDE-Checker

Quellen

Inhalte basieren auf klinischen Leitlinien der AAD, BAD und Peer-Review-Literatur aus JAAD, BJD und JAMA Dermatology. Epidemiologische Daten von NCI SEER und IARC GLOBOCAN. Vollstandige Methodik